Spielfilme können eine herrliche Einstimmung auf jede Reise sein. Auf dem Weg nach Tokio führt an “Lost in Translation” kaum ein Weg vorbei, eine aktuelle Ergänzung bietet “Your Name”.

Lost in Translation

“Ihr werdet müde sein in Tokyo”,  habe ich oft gehört, wenn ich von meiner geplanten Japan-Reise erzählte, “so wie die beiden in Lost in Translation.”  Bill Murray und Scarlett Johansson taumeln schlaftrunken durchs Tokioter Nachtleben, staunen sprach- und verständnislos über die Andersartigkeit der Stadt und ihrer Bewohner. Ein Überraschungserfolg von Regisseurin Sofia Coppola von 2003. Der Blick aus dem Park Hyatt auf die Stadt in der Dämmerung ist legendär und sieht offenbar noch heute genauso aus, wie Foodblogger Julien Walther in seinem wundervollen Beitrag über Tokio kürzlich zeigte. Ansonsten dürfte sich Tokyo in den 16 Jahren seit Erscheinen des Films merklich verändert haben.

Lost in Translation war ein Riesenerfolg und trotzdem mag ich den Film nicht. Nicht weil ich ihn schlecht finde, sondern weil ich die anhaltend trübe Atmosphäre schwer ertrage. Also hoffe ich, dass der Jetlag mich nicht so niederschlägt wie die Protagonisten im Film.

Your Name

Your Name war in Deutschland ein Überraschungserfolg wie Lost in Translation. Damit hört die Ähnlichkeit aber auf. Your Name ist einer der erfolgreichsten Animefilme in Japan und weltweit.

2016 erschienen, erzählt der Film die Geschichte von zwei Jugendlichen, die ganz gegensätzlich heranwachsen –  er weitgehend auf sich gestellt im Tokyoter Großstadtdschungel, sie behütet in der ländlichen Enge einer Dorfgemeinschaft. Die beiden tauschen aus unerklärlichem Grund ungewollt ihre Rollen, schlüpfen wechselweise in die Haut des anderen und erleben so die gegensätzlichen Welten. Hinzu kommen eine Zeitreise, ein Meteoriteneinschlag und eine wundersame Rettungsaktion mit Happy End.

Your Name ist wundervoll gezeichnet. Die Bilder sind anders als alles, was ich bislang im Film gesehen habe. Die verworrene und leicht mythische Geschichte spricht Realisten wie mich wohl weniger an, die liebevoll ausgearbeiteten Charaktere umso mehr.

Fazit: Die beiden Filme bieten völlig gegensätzliche Blicke auf Tokio.


Lost in Translation: Der Blick aus dem Westen, durch die Augen von Besuchern, die sich an der Fremdartigkeit der Stadt und ihrer Leute reiben. Sie treffen Japaner und verbringen Zeit mit ihnen, aber nähern sich ihnen nicht an und verstehen am Ende so wenig wie am Anfang. Kein Happy End, der Film endet im tristen Nirgends, in dem er auch begonnen hat. Reale Welt, filmisch nüchtern aus großartigen Blickwinkeln eingefangen.

Your Name: Durch und durch japanisch und trotzdem für mich nachvollziehbar. Sorgen und Nöte zweier Jugendlicher,  die in der Gesellschaft ihren Platz suchen – und finden. Realität und Traum verwischen, gestern und heute tauschen den Platz und die Unterschiede zwischen Dorf- und Stadtleben schmelzen unbemerkt dahin. Die Natur ist wunderschön, die Stadt laut und aufregend.

Ich bin froh, beide Filme gesehen zu haben, und gespannt, von welchem Film ich auf meiner Reise mehr wieder finde.