Selten wurde ich im Kino so gründlich informiert. Der Film “Zwischen den Zeilen” handelt von Betrug und Liebe (in der Reihenfolge), aber vor allem von der Digitalisierung in der Literatur- und Verlagsszene.

Beide Themen treiben den Film voran. Es wird betrogen und über Digitalisierung im Verlagswesen geredet. Viel wird geredet:

Der Verlagsleiter argumentiert, dass ein Buch voller Tweets nicht das Gleiche sei wie ein Buch voller Briefe und E-Mails.

Seine e-commerce Managerin erklärt, wie Algorithmen Literatur-Kritiker ersetzen.

Der Schriftsteller wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Romane verletzen das Recht an der eigenen Story, weil er darin seine Affären mit berühmten Frauen abbildet.

Der Verlagsinhaber sinniert über das Lesen am Smartphone und Verkaufstrends bei e-Books und Hörbüchern.

Und so weiter.

Viele Fragen, keine Antwort

Über viele der Themen könnten wir lange diskutieren und nachdenken. Über Twitter-Dialoge, neue Kritiker jenseits der Zeitungsredaktionen oder die Frage, warum Hörbücher sich besser verkaufen, wenn sie von Stars gelesen sind. Aber soweit kommt der Film nicht. Er bietet die Fragen als Appetithäppchen, aber bleibt Antworten schuldig. Damit hat er eines erreicht: dass ich über manches nachdenke, ohne voranzukommen.

Irritiert hat mich auch, dass der Film als faktisches Hörspiel daherkommt: Die Leute reden. Sie sitzen im Café, im Büro, auf dem heimischen Sofa, liegen im Hotelzimmer oder stehen an einer Bar. Und außer dass sie reden, passiert nichts. Ich bin kein Fan von Action-Filmen, aber so wenig Handlung war mir dann doch zu lahm.

Trotzdem fand ich den Film oft unterhaltsam, weil großartig gespielt, von feinem Humor durchzogen und mit überraschenden Twists gespickt.

Wem empfehle ich den Film:

Wer Woody Allen Filme mag, wird diesen Film mögen, denn oft erinnerte mich die Story an Allens Portraits der intellektuellen New Yorker.

Wer Juliette Binoche gern sieht, wird sie auch hier lieben. Wem sie in früheren Rollen zu überspannt war, der könnte ihre abgebrühte Darstellung einer betrügenden und betrogenen Schauspielerin mögen.

Wem empfehle ich den Film nicht:

Wer sich gar nicht für Literatur und Verlagsszene interessiert, erspart sich viel Langeweile.

Wer schöne Bilder mag, den wird die dokumentarische Kameraführung und nüchterne Inszenierung kalt lassen.