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Wer Läufer am Marathon begleitet, kann viel dafür tun, dass der Lauf ein Erfolg wird.

Erst Frankfurt, eine Woche später Woche New York – zwei große Marathon Events versüßen Läufern den Herbst. Und wo Läufer und Läuferinnen an den Start gehen, stehen meist Familie und Freunde an der Strecke oder im Ziel bereit. Denn Marathon ohne Publikum ist wie Segeln ohne Wind – geht, aber macht nur halb so viel Spaß.

Wer zum ersten Mal Läufer auf einem Marathon begleitet, kann von der Logistik schnell erschlagen werden. Zumal wer wie ich kein Freund großer Menschenmengen ist. Mein erster Lauf war Stress pur: Als Zuschauerin beim Heidelberger Halbmarathon war ich von Menschenmengen, komplizierter Logistik und schwieriger Anfahrt überwältigt und froh, als ich am Ende Sohn und Mann wohlbehalten zurück hatte. Das ist einige Jahre her und inzwischen macht mir das Gewusel rund um die Events fast Spaß.

Für alle, die ihre Läufer*innen auf einen (Halb-)Marathon begleiten wollen, hier einige Tipps: 

Wo stellen wir uns hin? 

Der Zieleinlauf ist zwar der aufregendste Teil des Laufs, aber nicht immer der beste Platz für die Zuschauer. Vor allem wenn wir unsere Läufer persönlich sehen wollen.  

Mein Tipp: Ortskundige fragen, wo die besten Standorte sind. In Frankfurt empfahl uns ein erfahrener Teilnehmer die Verkehrsinsel vor der Zentrale der Deutschen Bank: Dort kommen die Läufer zweimal binner kurzer Zeit vorbei. Gesagt, getan – und ich kann es weiterempfehlen. 

In New York hatte mein Mann für den Marathon eine Club-Mitgliedschaft des Veranstalters abgeschlossen, und das erwies sich als gute Investition. Wir hatten Tribünenplätze entlang der Zielgeraden und konnten ihm direkt zujubeln (und allen anderen natürlich auch).

Wie lange warten wir an der Strecke? 

Bringt Geduld mit. Ihr wisst weder, wie schnell ihr zu eurem Standort durchkommt, noch wann genau eure Läufer vorbeikommen. Also stellt euch auf Warten ein. Zieht etwas Warmes an, nehmt Essen und Getränke mit und vertreibt euch die Wartezeit, indem ihr allen Läufern so zujubelt, als seien sie beste Freunde.

Wann kommen unsere Läufer? 

Je gewissenhafter eure Läufer sich vorbereiten, desto besser können sie schätzen, wann sie auf welchem Kilometer sein könnten. Genau liegen sie damit aber nie. 

Die großen Veranstalter bieten Tracking Tools über ihre Apps an. Installiert die App auf eurem Handy, macht euch vorab mit der App vertraut und stellt sicher, dass das Handy geladen ist. In New York konnten wir unseren Läufer ziemlich punktgenau verfolgen und haben das eifrig genutzt. Wir wollen ihn ja nicht verpassen, weil wir uns gerade die Nase putzen oder mit dem Hintermann plaudern. 

Mein Tipp: Merken, was der Läufer trägt – knalliges Shirt oder bunte Kappe können die Suche enorm erleichtern. Aber Achtung: In New York wusste ich nicht, dass mein Mann das Shirt vor dem Start noch wechseln wollte, und hielt nach dem falschen Shirt Ausschau.

Wo treffen wir uns nach dem Lauf? 

Auch wenn die Veranstalter Informationen zu Sammelpunkten im Internet veröffentlichen – bei diesem Punkt müssen wir auch bei bester Planung improvisieren. 

Vor Jahren ist mein Sohn beim Verlassen des Zielbereichs nach dem Kinderlauf verloren gegangen. Glücklicherweise lief er einer Freundin in die Arme. Ein anderes Mal bog er nach dem Lauf falsch ab und wir sahen auf dem Tracking Tool, wie er sich Richtung Innenstadt verlief. In New York lief er am Vortag des Marathon den 5k Run (5 km vom UN-Sitz zum Central Park) und ich musst ihn nach dem Zieleinlauf aus der Läufermenge herausfischen. Bis jetzt haben wir uns noch immer wiedergefunden. 

Auch mein Mann ging bisweilen verloren. Beim Marathon in New York gab es alphabetisch sortierte Treffpunkte in den Seitenstraßen des Central Park. Trotzdem haben wir uns am vereinbarten Treffpunkt verfehlt und erst nach einigem Hin und Her gefunden. In Frankfurt gibt es Treffpunkte hinter dem Ziel-Zelt. Uns hat das nicht geholfen, nach einigem Herumirren trafen wir unsere Läufer erst im Hotel wieder.

Was brauchen unsere Läufer, wenn sie angekommen sind? 

Direkt im Ziel ist zumindest meinen Läufern nicht nach Feiern zumute. Die abgekämpften Helden freuen sich über Einfacheres: ein frisches Shirt, eine wärmende Jacke, kühle Drinks und Bargeld für einen Snack vom Straßenstand. Und einen Plan für den Rückweg zum Hotel. Achtung: Wenn die Unterkunft nicht in Laufnähe ist, informiert euch, ob die Busse und Bahnen fahren. Auch U-Bahn-Stationen können geschlossen sein, wenn die Straßen gesperrt sind. 

Und nach dem Event?

Zurück im Hotel, freut sich euer Läufer bestimmt über etwas Gutes für den Körper: Fußpflege mit Eisbeutel, Schultermassage oder auch am Folgetag ein Termin beim Profi-Masseur. Und sicher bald ein großes zweites Frühstück im Diner um die Ecke. Viel Spaß!

Was sonst noch? 

Plant Zeit ein und rechnet mit Sicherheitskontrollen und Absperrungen. Sich durch die Menschenmengen zu wühlen, dauert ein Vielfaches der Zeit, die ihr normalerweise für den Weg bräuchtet. 

Dankt Helfern und Polizisten mit einem Lächeln für ihren Einsatz. Die Security in New York war fantastisch: Selten habe ich mich so sicher und freundlich behandelt gefühlt. Bei 55.000 Läufern und unzähligen Zuschauern ist das ein gutes Gefühl. 

Applaudiert allen. Natürlich feuern wir unsere eigenen Läufer an – aber alle anderen freuen sich ebenso über Applaus. Gerade wenn sie nicht auf leichtem Fuß unterwegs sind, sondern keuchen, mit Krämpfen kämpfen oder abgehängt werden –  ein kleiner Applaus kann sie beflügeln und ihr dankbares Lachen macht uns das Event noch schöner. Probiert es aus!

Und nun: Viel Spaß beim Begleiten, Mitfiebern und Anfeuern!